Der Dettelbacher Skulpturenweg „Pilgervolk“ entstand 2005 und feierte das 500-jährige Bestehen der Wallfahrt zu „Maria im Sand“. Sieben Bildhauer:innen schufen aus Stein ein „steinernes Gedächtnis“ im öffentlichen Raum der Stadt. Die begleitenden Texte stammen teils von den Künstler:innen selbst, teils von Albert Fuß.

In Transito – Emanuela Camacci

1. In Transito

Der Pilgerweg als reiner Ausdruck der Vergänglichkeit, des Überganges, der Bewegung zu einem intimen, inneren Raum. Suche nach einer klaren Vorstellung von dem, was Leben, Sein und Existenz ist und bedeutet. Der architektonische Teil der Arbeit stellt den Tempel als letztes Ziel vor. Im inneren Teil befindet sich der Kreis, der Ring als Ausdruck der Vollkommenheit in der Natur. Der Tempel ist also der innere Raum mit einem Innen und Außen. Dort befinden sich die Fülle und die Abwesenheit, die Leere.

Skulptur & Text: Emanuela Camacci (Italien)

Die Acht – Caroline Bachmann

2. Die Acht

Acht Pilger, acht Köpfe, acht Seelen, acht Gedanken, acht Wege, acht Sinne, acht Gefühle, acht Blicke, in Achtung gekleidet und achtsam geleitet. Die Blicke in der Achterschlaufe: Die Zahl acht ist eine Endlosschleife zwischen Geist und Materie. Die Pilger, wir alle, durchwandern diese Schleifen. Das mythische Tier symbolisiert den Geist, der uns behütet und begleitet.

Skulptur & Text: Caroline Bachmann (Schweiz)

Unterwegs – Winnie Henke

3. Unterwegs

Der hier UNTERWEGS ist, steht an einem Ende und an einem Anfang. Er hat eine ungehobelte, unfertige Hälfte neben sich liegen lassen, hat Zug um Zug und Schlag um Schlag Schlacken abgeworfen, bis er sich am Ende in eine klare, wesentliche Gestalt wandelte. Doch diese Gestalt ist noch nicht angekommen, sie hat noch keine Augen, mit denen sie einen Weg erkennen könnte. Doch sie hat Ohren und diese Ohren hören Worte, die in den Sternen geschrieben stehen. Um sie zu verstehen, bedarf es einer angespannten Stille, die durch keine Geste des eigenen Körpers, der ganz eng bei sich selbst bleibt, gestört werden darf. Er wird sich auf den Weg machen, bald.

Skulptur: Winnie Henke (Deutschland) · Text: Albert Fuß

Kilians Rest – Eileen Macdonagh

4. Kilians Rest

Kilian kann sich, kurz vor der Wallfahrtskirche, noch einmal ausruhen. Es ist Platz für einen von uns. Die Unterhaltung darf länger dauern; ein Baum sorgt für Schatten und schützt vor Regen. Wir müssen dem Heiligen nicht in die Augen schauen, aber wir könnten ihm sagen, wie sich aus unserer Sicht die Dinge darstellen und er wird wahrscheinlich antworten, aus seiner Sicht, nicht allzu laut vermutlich und auch nicht zu schnell. Viel-leicht klingt seine Stimme vertraut und spricht wie der Stein, auf dem wir mit ihm sitzen.

Skulptur: Eileen Macdonagh (Irland) · Text: Albert Fuß

Camino – Susanne Tunn

5. Camino

Der Stein liegt in der Horizontalen, so wie er in der Erde gewachsen ist. In ihm ist die Zeit in unterschiedlichen Facetten vorhanden. Die Tiefe und die Breite stehen im Verhältnis zum gesamten Stein. Der Weg wurde vorsichtig hineingearbeitet – geschliffen. Es ist ein suchender, mäandernder Weg. Der Stein gibt den Blick frei auf sein Inneres, jedoch verhalten und vorsichtig, wie durch Nebel. Erst bei Regen zeigt er seine Festigkeit und seine innere Schönheit. Zerbrechliche Krusten umhüllen wie eine Haut den inneren, kompakten Block. Der Weg führt um den Stein herum. Er ist unendlich.

Skulptur & Text: Susanne Tunn (Deutschland)

Fremder – Hermann Gschaider

6. Fremder

Ausgetreten aus der Tiefe unserer Erde, geformt an der Urküste des Ur-Meeres, vor Millionen von Jahren, eingesetzt in Muschelkalkgestein, durchwandert der Granitfindling im Zeitenlauf den Muschelkalk zurück in den Schoss der Erde.

Skulptur & Text: Hermann Gschaider (Österreich)

Jakobsstein – Miloslav Chlupáč

7. Jakobsstein

Er trägt die Muschel und den Stab als unverwechselbare Zeichen seiner Pilgerschaft. Die in feinen und genauen Linien gemeißelte Muschel gab ein gleichermaßen genaues Ziel vor; und dieses Ziel scheint nun erreicht. Dieser Pilger ist angekommen. Hände und Arme nutzen den Stab nicht mehr als raumgreifendes Werkzeug zur Bewältigung von Entfernung. Eingefügt in die Beuge des Armes setzt der Stab nun der Bewegung ein Ende, fordert Verweilen für die Beantwortung einer entscheidenden Frage: Hat sich die Mühe der Pilgerfahrt gelohnt? Bin ich jetzt an dem Ort und in der Zeit, zu dem und in die ich gerufen wurde?

Skulptur: Miloslav Chlupáč (Tschechien) · Text: Albert Fuß